Mein Schreiben ist 2019/2020 von meinen Vorfahren bestimmt, da ich Feldpost und Lebensaufzeichnungen, behördliche und private Briefe, Fotos und Urkunden aufarbeite, was viel Arbeit bedeutet. Dabei fühle ich mich besonders mit meinem Onkel Karlheinz verbunden, der in diesem Bild von 1927 als kleiner Prinz ganz vorne in der Mitte sitzt und in keinster Weise ahnt, dass er mit Anfang zwanzig sein Leben an der Ostfront lassen wird.

Meinem Großvater Oskar Hermann Max, der Anfang der 1920er Deutscher Meister im 110-Meter-Hürdenlauf wurde, soll ich hingegen optisch ähneln. Er, der achtzig Jahre vor mir geboren wurde und den ich ebenfalls niemals kennenlernen durfte, steht hinten rechts, etwas seltsam in den Raum gelehnt, wodurch es so wirkt, als wäre er ein Zeitreisender, der sich ins Bild mogelt, oder eben ich selbst.

Vom 14.06.-16.06.2019 wäre dann wieder das Kunstfestival 48 h Neukölln (www.48-stunden-neukoelln.de), wo ich am Samstag mit zwei weiteren Anteilen meiner selbst spreche. Dazu laufen im Kuschlowski über drei Mono-Lautsprecher in drei Stunden drei Tonspuren mit Klangkunst unterschiedlicher Länge gleichzeitig, sodass sie in drei Stunden unterschiedlich ineinander verwoben sind. Meine dazugehörigen drei unterschiedlichen Stimmen, die sich anfangs in ihrer in Futur-III erzählten Geschichte linear ergänzen, verschieben sich folglich ebenso zueinander, sodass neue verbale Sinn-Einheiten, ja, eine neue in Futur-III erzählte Geschichte entsteht.

Am  25.03.2019 läuft bei Deutschlandfunk Kultur in der Sendung Kurzstrecke mein zwölfminütiges Hörstück „Dramatic Stockhausen Dream“ (www.deutschlandfunkkultur.de), bei der Karlheinz Stockhausen in einer Sinnkrise steckt, noch nicht meint, seine Heimat sei der Sirius, und von irdischen Wurzeln träumt.

 Arnold Schönbergs Vater arbeitete als Schuhmacher und starb an einer Lungenentzündung, als sein Sohn, der spätere Entwickler der
Zwölftontechnik, fünfzehn war. Stockhausen selbst war ebenfalls erst Jugendlicher, als sein Vater, ein Volksschullehrer, während des zweiten Weltkriegs fiel und seine angeblich depressive Mutter Opfer einer Tötungsanstalt wurde. Vielleicht wegen dieser prägenden Parallele erkennt Stockhausen trotz beruflicher Unterschiede zu leiblichen und musikalischen zu übertragenen Eltern im Traum ein Muster, dem er instinktiv folgt, bis er mitten in der Nacht aufschreckt und in den Himmel schaut, um seine wahre Heimat zu erkennen.

Am 18.03.2018 ist Premiere der Inszenierung des Stücks „Dreier“ (J. Roselt) in der Regie von Jessica S. Cremer (www.jessica-sonia-cremer.com) am Landestheater Detmold, bei dem ich die gesamte Sound-Kulisse gemacht habe: http://www.landestheater-detmold.de/theaterstueck/dreier-174/

Die nächsten Hörkunst-Termine finden dann beim Kunst-Event 48-Stunden-Neukölln in doppelter Form statt:

Am 23.06.2018 im offiziellen Rahmenprogramm mit der Klanginstallation „reality makes the sound“ im Kuschlowski, bei der ich vor allem mit Bar-Geräuschen  arbeite  und die der Musiker Patrick Kuhn live begleitet (https://48-stunden-neukoelln.de/de)

 

Am 24.06.2018 bei der Finissage in der Fotofabrik, bei der ich in einem Soundscape akustisch auf die Foto-Arbeiten von Elise Corvaglia (Be) & Annabel Werbrouck (Be/ De) eingehe (http://www.fotofabrikblnbxl.eu/news)

 

Lesungen:

1. Dezember 2017, 19:00 Uhr, Stadtschloss Moabit (im Rahmen von Moabit liest!)

12. Januar 2018, 20:15 Uhr, Schloßsalon Hohenschönhausen (im Rahmen der Auftaktveranstaltung)

Oftmals in meinem Leben, da der Fokus dafür groß ist, ergeben sich Symbole, die mich beglücken, wie dieser Hund, ein Schatten, der an einer Tür in einem verwaisten Büro im Flughafen Tempelhof entsteht, weil ich da für ein Selbstportrait auf einem Stuhl sitze, beschienen von der Sonne, die durch den Hangar scheint.

(© Hans Kämmerer, aufgenommen während der Recordings im Candy Bomber Studio für das zweite Album der Band Chaplin, http://www.chaplin.de/)

Lesungen:

08.09.16, 20 Uhr: Premiere Dorotheenstädtische Buchhandlung

22.09.16, 20 Uhr: Café Tasso

16.10.16, 17 Uhr: Café Moosgarten

12.11.16, 20 Uhr: Naumann Drei

19.01.17, 18.30 Uhr: Café Sibylle

24.02.17, 19.30 Uhr: Café/Antiquariat Morgenstern

Der Pressetext fasst das derart zusammen: „Hans Kämmerers ausgeklügeltes Debüt changiert meisterhaft zwischen der einstigen und heutigen Modestadt Berlin und treibt ein kunstvolles Spiel mit dem Schein und Sein. Dabei bannt der Autor einstige Milieus und jetzige Kieze aufs Trefflichste in Worte und Bilder.“

Kontakt E-Mail: Hans Kämmerer